"Das Allerschönste, was Füße tun können, ist tanzen." (Kermit)
Aus den Rotlichtvierteln von Buenos Aires und den Bergen von Uruguay kommend erzählt bereits seit mehr als einhundert Jahren ein Tanz die Geschichte von Mann und Frau: die melancholisch tönende Frage nach der Erfüllung des sich in der Begegnung ausdrückenden Menschen und die Freude an der leidenschaftlichen Erfahrung der sich bewegenden Sinne.
Was Tango ist?
Tango ist für Alle. Gleich ob in Deutschland, Finnland, Argentinien, Kanada, Japan oder Russland: diese Sprachen, Kulturen und Zeiten überschreitende Form der Begegnung lebt in Hinterhöfen, kleinen und großen Lokalen, Sporthallen, Ballsälen, auf Bühnen und privaten Veranstaltungen der ganzen Welt und bringt Menschen beinahe aller sozialen Schichten, Berufe und Altersklassen zusammen.
Tango ist Existenz. Die sinnliche Erfahrung und das Ausfüllen unseres Daseins im Erlebnis des Körpers, das Annehmen unserer Grenzen und der Respekt vor dem Anderen sind grundlegende menschliche Erfahrungen, die wir zum Tango mitbringen und wieder mitnehmen.
Tango ist Bewegung. Die Bewegung des Körpers durch die sich bewegende Seele mit der Musik. Lebendiger Rhythmus im tiefen Klang der Umarmung.
Tango ist im Herzen. Rückgrat und Haltung wachsen aus dem Herzen, indem wir es unserem Gegenüber zuwenden ohne uns zu verlieren. Wenn wir uns von Herzen verlieren, so finden wir uns im Anderen wieder.
Tango ist Umarmung. Die achtsame Umarmung bildet einen Kreis, in dem wir uns mit unserem Partner in der Musik auf-halten. Die Umarmung ist der Raum der Erfüllung. Sie muss nicht körperlich sein.
Tango ist Hingabe. Sich einem Menschen, dem Partner, den Erfahrungen der Sinne zuwenden, heißt: sich hinneigen. Leidenschaft ist das Spiel zwischen Zuneigung und Selbstverwirklichung. Die Bejahung des Unbekannten ist lebensbejahend. In der Hingabe des Führenden an den Geführten oder die Geführte fließt Freude und Gelöstheit. Der gemeinsame Ausdruck von Hingabe ist der Tanz.
Tango ist Sprache. Wer diese Sprache zu verstehen beginnt und durch seinen Körper hindurch sprechen lernt, wird schnell erfasst von der magischen Umarmung von Freiheit und Verbindlichkeit.
Tango ist ein Ort. Die Milonga ist das Fest, auf dem getanzt wird. Ein Ort, an dem Begegnung stattfindet. Ein Ort, an dem wir uns in der Musik begegnen.
Tango ist Begegnung. Begegnung mit sich selbst, Begegnung zwischen Generationen und Begegnung mit Menschen. Und natürlich: zwischen Mann und Frau.
Tango ist Musik. So vielfältig wie die Menschen, die sich im Tango begegnen, ist auch seine Musik. Von den charmant kratzenden Klassikern im Stil der 1920er- 50er Jahre ,den romantischen Liedern von Liebe und Heimat (z.B. Carlos Di Sarli), dem genialen Werk Osvaldo Puglieses, über den eigentlichen Tango Nuevo Astor Piazollas bis hin zu den modernen Interpreten und Stilrichtungen, die Musik mit zeitgenössischen elektronischen und experimentellen Einflüssen hervorbringen.
Tango ist Freiheit. Anders als in vielen anderen Paartänzen lebt der Tango von der Freiheit des Moments und der überraschenden Schrittfolgen.
Die klare Unterscheidung der Rollen des Führens und Geführtwerdens bildet erstaunlicherweise die Grundlage für echte Kommunikationserlebnisse, die das klassische Rollenverständnis übersteigen und befreien.
Im Tango ist die Freiheit der Geschlechter eine Freiheit, welche die Emanzipation des Einzelnen voraussetzt und die Freiheit vom anderen in eine Freiheit für den anderen verwandelt.
Tango ist Revolution. Zwischen klischeebildendem Denken in Gewohnheiten und Konventionen und dem unstillbaren Verlangen nach Erfüllung, Glück und Freiheit ist der Tango radikal grenzüberschreitend. Die Bejahung der Sinnlichkeit und die Möglichkeiten nonverbaler Kommunikation stellen übliche Verständigungsweisen in Frage oder erweitern sie. Auch das Erlebnis, daß Nähe distanzierend wirken und die Bemühung um DisTanz einen Grad an Intimität erreichen kann, der uns tiefer berühren mag als eine körperliche Begegnung, wirft neues Licht auf persönliche Beziehungen und gesellschaftliches Selbstverständnis.
Tango ist einfach. Mann und Frau. Gehen und Stehen. Sprechen und Zuhören, Führen und Geführtwerden, Fassen, Loslassen, Berühren und Spüren. Wirklich zusammen sein, heißt: einfach sein.
Tango ist schwer. Der Mann muss zuhören. Die Frau muss deutlich werden. Zusammen gehen heißt zusammen stehen. Ganz da sein, ganz loslassen können. Das eigene Gleichgewicht finden und es bewahren, um es abgeben und im Anderen wieder finden zu können.
Tango ist. Am Montag.
Text: (c) D. Lepold, 2007-06-07 - Diese Ausführungen sind nichts ohne das Tanzen.
Infos zu Tango in Stuttgart: Tangokurse, Tango Anfängerkurs, Wochenend-Workshop, Tangounterricht, Tanzschuhe
Tango Tanzen in Stuttgart, Milonga in Stuttgart, Tango Workshop am Wochenende, Tango Argentino, Tanzschulen Stuttgart, Tanzschule für Tango